
In den Alpen wandern, ein Wochenendausflug in die Berge oder eine Tageswanderung mit der Familie – Wandern macht Spaß! Wenn das Wetter mitspielt und alle fit und gesund sind, stoßen wir nur selten an unsere Grenzen.
Was aber wenn starker Regen einsetzt oder Nebel aufzieht, was wenn Schneefall oder Whiteout die Orientierung unmöglich machen? Eine Wanderung ist immer so lange schön wie nichts passiert, kann aber überraschend schnell in einer Katastrophe enden. Da reicht schon falsches Schuhwerk. Das befolgen einiger einfacher Grundregeln macht das Wandern in den Alpen für alle zu einem sicheren Vergnügen.
10 Grundregeln für Wanderer
- Passt die gewählte Tour zu Ihnen und Ihren Begleitern?
Prüfen Sie vor jeder Tour Ihre Kräfte und Ihre persönliche Verfassung. Wichtig: reichen Ihre Kenntnisse und Erfahrung, z.B. in der Wegfindung oder Trittsicherheit für die Wanderung aus? Schätzen Sie Ihre eigene Kondition und die Ihrer Begleiter – insbesondere etwaiger Kinder in der Gruppe – realistisch ein. danach richtet sich die Länge der Tour. Faustregel: Rechnen Sie in etwa mit 350 Höhenmeter pro Stunde und rund 4km Distanz pro Stunde im Aufstieg und natürlich entsprechenden Pausen alle 1-1,5 Stunden.
Wenn Sie nicht sicher sind, die gewählte Route ohne Führung bewältigen zu können, schließen Sie sich einer geführten Gruppe an oder sichern sich die Services eines Berg- oder Bergwanderführers. - Planen Sie Ihre Tour genau
Sammeln Sie alle Informationen derer Sie habhaft werden können. Karten, Wegbeschreibungen im Internet oder in Büchern sind unabdingbar und wie die Auswertungen von Unfällen im Alpenraum gezeigt hat mitunter lebenswichtig. Die aktuelle Wettervorhersage für Ihr Zielgebiet ist elementar wichtig. Starten Sie von einer Hütte oder einem Gasthaus, vergessen Sie nie die Erfahrung und Ortskenntnis des Hüttenwirts einzuholen. Arroganz ist hier fehl am Platz. - Richtige Ausrüstung
Festes Schuhwerk mit Profilsohle und ausreichendem Knöchelschutz (hängt auch vom Gewicht des Wanderers ab) Mehr zu Schuhen im Spezialartikel Schuhe weiter unten
Rucksack mit ausreichender Belüftung und gutem Tragesystem. Nicht zu schwer tragen! Das Gewicht sollte bei Tagestouren und Wanderungen mit Gepäck-Transport maximal bei 4-6kg, wenn Sie alles tragen bei Touren mit Übernachtung nicht mehr als 10-12kg betragen
Bekleidung in Lagen: Äußere Lage: Wind- und/oder Regendicht, mittlere Lage: wärmend und schnell trocknend, Unterwäsche schnell trocknend
Proviant und Wasser. Trinken Sie immer ausreichend und unterzuckern Sie nicht. Beim Wandern kann man mehrere tausend Kalorien verbrennen. An einem Tag
Mobiltelefon. Kann bei Empfang Rettung schnell herbeirufen (Notfallnummern der jeweiligen Region inkl. Bergrettungsnummer in den Kontakten speichern oder als Schnellwahlnummer)
Kleines Verbandszeug zur Erstversorgung
Karte oder Navigationsgerät mit geladenen Karten
Wanderstöcke sollten für jeden Wanderer Standard sein. Eitelkeit ist hier fehl am Platze. Unverzichtbar zur Entlastung von Gelenken und Muskeln und zur Stabilisierung beim Gehen – zum Beispiel wenn der Weg rutschig und/oder sehr steil ist.

- Informationen für den Notfall: Sagen Sie in Ihrer Unterkunft oder bei Familie und/oder Bekannten Bescheid wohin Sie gehen und wann Sie beabsichtigen zurück zu sein. Tragen Sie Ziel und Route in Gipfel- oder Hüttenbüchern ein. Das hilft im Notfall Sie schneller zu finden
- Gehgeschwindigkeit. Passen Sie das Tempo Ihrer Kondition und der Ihrer Begleiter an. Das Tempo richtet sich immer am schwächsten Mitglied der Gruppe. Denken Sie bei Tempo und Zeiteinteilung auch immer an den Rückweg. Die meisten ‚Stolperer‘ passieren auf normalen Pfaden und Wegen durch Unkonzentriertheit und Übermüdung.
- Wege. Bleiben Sie auf den markierten Wegen – schon Aufgrund des Erosionsschutzes. Das Begehen von steilen Grashängen, Schneefeldern oder Gletschern birgt immer Gefahren
- Steinschlag. Achten Sie auf Steinschlag durch andere Wanderer, Abschmelzungsvorgänge und Tiere. Tragen Sie einen Helm in Gelände dass von Steinschlag gefährdet ist
- Rechtzeitig Umkehren. Kehren Sie bei mangelnder Kondition oder drohendem Schlechtwetter rechtzeitig um. Das ist weder peinlich noch ist es ein Zeichen von Schwäche. So ein Verhalten rettet mitunter Menschenleben.
- Verhalten im Notfall. Bewahren Sie zunächst Ruhe auch wenn das schwer fallen sollte. Leisten Sie Ersthilfe und setzen Sie, sobald der Patient stabilisiert ist, einen Notruf ab sofern Mobilempfang besteht. Andernfalls versuchen Sie durch Rufe und Lichtsignale auf sich Aufmerksam zu machen. Weiteres in der gesonderten Sektion für Notfälle – auch mit dem Thema Gewitter – weiter unten.
- Umweltschutz. Halten Sie bitte die Berge sauber. Manche Wege sind heute schon überlaufen und die Umwelt zeigt dort schon Schädigungen. Weggeworfene Verpackungen oder anderer Müll wirken da kontraproduktiv.
Verhalten in Notfällen
Erstversorgung und weitere Maßnahmen
- Stellen Sie sicher das Sie selbst nicht in Gefahr sind bevor Sie Ersthilfe leisten.
- Stellen Sie Bewusstsein fest und bei einem Patienten ohne Bewusstsein lagern Sie den Patienten in der stabilen Seitenlage, damit er/sie nicht durch Erbrechen erstickt
- Patient wärmen – Rettungsdecke
- Bei großen, blutenden Wunden – zum Beispiel durch Steinschlag – Kompression ausüben und dauerhaft sicherstellen, z.B. durch eine Binde unter der ein sich Gegenstand – eine eingerollte Mullbinde etc. – zum Pressen befindet.
- Sobald der Patient stabil ist, sicherstellen, dass er/sie außerhalb einer Gefahrenstelle ist
- Benachrichtigen Sie die Rettungsdienste
Nummern Deutschland: 112
Bergrettung aus Deutschland: 112
Nummern Österreich: 112
Bergrettung aus Österreich: 140
Nummern Schweiz: 144
Bergrettung aus der Schweiz: 1414
Nummern Italien: 112
Bergrettung Italien: 118
Und teilen Sie mit: Wer Sie sind, was passiert ist und wo Sie sich befinden - Ohne Mobilempfang: Machen Sie auf sich aufmerksam durch Rufen, Pfeifen, Winken – auch mit Kleidungsstück.
Verhalten bei Gewittern
Vermeiden Sie in ein Gewitter zu kommen durch Einholung von örtlichen Wettervorhersagen und laufende Beobachtung des Wetters
- Meiden Sie den Aufenthalt auf Gipfeln, Graten, unter einzelstehenden Bäumen, bei Wasserrinnen, am Fuß von Felswänden, im Eingangsbereich von Höhlen und unter Hochspannungsleitungen
- Suchen Sie stattdessen Täler und Senken auf
- Wirklichen Schutz bieten nur eine sichere Unterkunft und Autos
- Warnsignale für Gewitter: schwüle Luft, Quellwolken
Alarmsignale: Quellwolken mit dunkler Unterseite, ausgefranste Ränder, fernes Donnergrollen
Lebensgefahr: Elektrische Ladung in der Luft (Haare stellen sich auf, Knistern)
Verlassen Sie sofort die Gefahrenstelle. Lebensgefahr!

Schuhe
SCHUHEIGENSCHAFTEN
Besonders rutschfeste Sohlen sind für alle Arten von Bergschuhen ein Muss. Die richtige Auswahl richtet sich immer nach den Anforderungen des Weges. Grob gilt: je höher es hinauf geht, desto fester und wärmer sollte der Schuh sein. Die Klassifikation unten bietet einen detaillierten Überblick. Leider sind die Grenzen zwischen den Kategorien nicht genau definiert. Es gibt keine allgemeingültige Norm. Ein Schuhtyp, den Hersteller X mit Kategorie B bezeichnet, ordnet Hersteller Y schon in die Kategorie C ein. Manche Hersteller klassifizieren ihre Schuhe nach Zahlen, andere nach Buchstaben. Es kommt sogar vor, dass Varianten ein und desselben Modells ganz unterschiedlich steif ausfallen! Fazit: Eher der Beschaffenheit des Schuhs trauen als dem Etikett!
INDIVIDUELLE KONSTITUTION
Manche haben feste Bänder und auch auf schlechtem Weg einen sicheren Tritt. Andere sind meist auf Asphalt unterwegs und haben daher weniger Stabilität. Manche haben viel Tourenerfahrung. Andere gehen selten in die Berge. Erfahrung kann die Notwendigkeit zu festeren Schuhe reduzieren. Übung macht auch zu Fuß den Meister.
KÖRPERGEWICHT | ZULADUNG
Wer mehr wiegt und mehr trägt braucht mehr Halt im Schuh.
PASSFORM
Ein schlecht passender Wanderschuh nützt nichts. Manchmal
muss man zu Gunsten der Passform in eine andere Kategorie
wechseln – sicherer ist dabei immer die nächsthöhere!





